21.03.2026

Obdachlosigkeit beenden statt verwalten

Obdachlosigkeit ist auch in Bremen ein wachsendes Problem. Die bisherigen Maßnahmen der Wohnungslosenpolitik sind zwar vielfältig, doch zeigen wenig bis keine Wirkung. Teilweise haben sie sogar destruktive Folgen, wie etwa die Verdrängungseffekte durch das Vertreiben obdachloser Menschen aus der Bahnhofsvorstadt in angrenzende Stadtteile. Solche Maßnahmen lösen das Problem nicht, sondern verlagern es lediglich.

Gerade weil es sich um ein komplexes und sensibles Thema handelt und es um das Leben von Menschen geht, darf Wohnungslosenpolitik nicht durch ideologische Annahmen bestimmt werden, sondern muss sich an empirischen Erkenntnissen ausrichten.

Ein Ansatz, der international nachweislich erfolgreich ist, ist das Housing-First Konzept. Es kehrt die Logik klassischer Hilfesysteme um: statt obdachlose Menschen zunächst durch verschiedene Stufen der Wohnungslosenhilfe zu führen, erhalten sie direkt eine eigene Wohnung mit regulärem Mietvertrag. Soziale Unterstützung wird anschließend bedarfsorientiert angeboten, bleibt jedoch freiwillig. Eine stabile
Wohnsituation bildet die Grundlage dafür, weitere soziale, gesundheitliche oder finanzielle Probleme nachhaltig anzugehen.

Internationale Erfahrungen, insbesondere aus Finnland, zeigen, dass dieser Ansatz Obdachlosigkeit deutlich reduzieren kann. Ein Pilotprojekt in Bremen hat gezeigt, dass Housing First auch unter lokalen Bedingungen funktioniert und betroffenen Menschen langfristige Stabilität ermöglicht.

Finanziert wird das Modell vor allem über bestehende sozialstaatliche Instrumente wie die Kosten der Unterkunft im Sozialleistungssystem sowie begleitende Hilfen der Wohnungslosenhilfe. Langfristig kann Housing First zudem in Kooperation mit freien Trägern, sozialen Einrichtungen und Wohnungsbaugesellschaften organisiert werden,
während die öffentliche Hand Finanzierung, Koordination und soziale Begleitung sicherstellt.

Wir fordern daher, das erfolgreiche Housing-First Modell dauerhaft in die Bremer Wohnungslosenhilfe zu überführen und als festen Bestandteil der sozialen Infrastruktur zu etablieren. Gleichzeitig müssen Maßnahmen, die nachweislich keine nachhaltige Lösung für Obdachlosigkeit darstellen, konsequent zurückgefahren werden.

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