Bremen gehört seit Jahren zu den Schlusslichtern im bundesweiten Bildungsvergleich.
Weder immer neue Systemdebatten noch invasive Reformmaßnahmen haben daran bisher
etwas Grundlegendes geändert. Gleichzeitig erleben viele Schülerinnen und Schüler
Schule zunehmend als etwas, dessen Sinn sich ihnen kaum erschließt. Die Frage „Wozu
lernen wir das eigentlich?“ wird immer häufiger gestellt.
Bisweilen gibt es Forderungen, praktischere Fähigkeiten wie das Schreiben von
Steuererklärungen zu vermitteln, doch welchen Wert hätte ein Bildungssystem, das
seine Absolventen nicht dazu befähigt, sich diese Fähigkeiten selbst anzueignen?
Gerade im Zeitalter von KI, in dem Informationen jederzeit abrufbar sind, reicht das
nicht aus.
Das eigentliche Problem ist, dass die Zusammenhänge nicht mehr vermittelt und
verstanden werden und damit Orientierung, Perspektive und Selbstwirksamkeit fehlen.
Das müssen wir ändern.
Fach „Sinn & Kontext“
Wir fordern die Erweiterung des Lehramtsstudiums in allen Fachbereichen um
didaktische Elemente im Bereich „Sinn und Kontext“.
Die teleologische Herleitung der Lerninhalte soll in allen Lehrplänen kongruent zu
den Sachinhalten behandelt werden: Warum wird ein bestimmtes Thema unterrichtet?
Welche Fähigkeiten werden dabei vermittelt? Wie hängen Inhalte verschiedener Fächer
miteinander zusammen?
Damit entsteht ein Raum, der im Schulalltag zunehmend verloren gegangen ist: ein Raum
für Einordnung, Fragen und freies Denken. „Sinn & Kontext“ entlastet Fachlehrkräfte,
weckt Neugier und verhindert, dass Lernen als bloßes Abarbeiten von scheinbar
kontextlosem Stoff erlebt wird.
Berufsorientierung praxisnah stärken
Die Arbeitswelt ist viel zu vielfältig, um sie im Unterricht oder auf klassischen
Infostand-Messen wirklich kennenzulernen. Gleichzeitig darf die Chance, eigene
Interessen und mögliche Berufswege zu entdecken, nicht vom Elternhaus oder Zufall
abhängen.
Deshalb fordern wir regelmäßige Berufskennenlernmessen im Workshop-Format. In kurzen,
praxisnahen Workshops können Schülerinnen und Schüler verschiedene Berufsfelder
kennenlernen und konkrete Tätigkeiten ausprobieren. Sei es Handwerk, Pflege,
Forschung, oder die Bundeswehr.
Die Teilnahme erfolgt niedrigschwellig über eine Website oder App, über die sich
Schülerinnen und Schüler nach ihren Interessen anmelden können. So wird
Berufsorientierung greifbarer, freiwilliger und eröffnet echte Perspektiven.
AGs wieder stärken
Viele Arbeitsgemeinschaften sind während der Corona-Zeit weggefallen und bis heute
nicht vollständig zurückgekehrt. Dabei sind AGs ein zentraler Ort, an dem
Schülerinnen und Schüler Interessen entdecken und vertiefen können.
Deshalb setzen wir uns dafür ein, AG-Angebote wieder zu stärken: mit ausreichendem
Budget, weniger Bürokratie und mehr Flexibilität bei Gründung und Organisation. Auch
Kooperationen mit externen Initiativen oder Ehrenamtlichen sollen erleichtert
werden.
Schülerrechte sichtbar machen
Schülerinnen und Schüler haben in Bremen vergleichsweise starke Mitbestimmungsrechte,
doch viele wissen nichts davon. Rechte, die man nicht kennt, kann man nicht nutzen.
Bisher wird die Vermittlung dieser Rechte häufig über externe Programme organisiert.
Stattdessen schlagen wir eine einfache und nachhaltige Lösung vor: Schulen sollen
ihre Schülerinnen und Schüler einmal jährlich selbst über ihre Rechte und
Beteiligungsmöglichkeiten informieren.